Pferdewetten im GlüStV: Whitelist & Regulierung in Deutschland
Sind Pferdewetten in Deutschland legal? Die kurze Antwort: ja, unter bestimmten Bedingungen. Die ausführliche Antwort erfordert einen Blick in den Glücksspielstaatsvertrag, auf die GGL-Whitelist und in ein Gerichtsurteil, das 2024 für Klarheit gesorgt hat.
Pferdewetten nehmen im deutschen Glücksspielrecht eine Sonderstellung ein — historisch gewachsen, juristisch verankert. Diese Trennung hat Wurzeln, die bis ins Kaiserreich zurückreichen, als der Totalisator an deutschen Rennbahnen erstmals staatlich reguliert wurde.
Für Wetter bedeutet das: Wer bei einem lizenzierten Anbieter auf Pferderennen setzt, bewegt sich im legalen Rahmen. Wer es nicht tut, riskiert mehr als nur den Einsatz. Legal wetten — mit Sicherheitsnetz.
GlüStV 2021 und die Sonderstellung der Pferdewetten
Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) ist das zentrale Regelwerk für Glücksspiel in Deutschland. Er trat am 1. Juli 2021 in Kraft und löste den umstrittenen Vorgänger ab, der den Online-Markt jahrelang in einer Grauzone gelassen hatte. Der neue Vertrag schuf erstmals einen einheitlichen Rahmen für Online-Sportwetten, virtuelle Automatenspiele und — separat — Pferdewetten.
Die Sonderstellung zeigt sich in der Lizenzierung. Während Sportwetten-Anbieter eine Konzession nach § 4a GlüStV benötigen, fallen Pferdewetten unter eine eigene Erlaubniskategorie. Diese Trennung hat historische Gründe: Rennwetten existierten in Deutschland bereits lange vor dem modernen Sportwettenmarkt. Das Rennwett- und Lotteriegesetz reguliert Pferdewetten seit über hundert Jahren, und diese Tradition wurde im GlüStV 2021 beibehalten.
In der Praxis bedeutet das: Ein Anbieter, der eine Sportwetten-Lizenz besitzt, darf damit nicht automatisch Pferdewetten anbieten. Er braucht eine zusätzliche oder gesonderte Erlaubnis. Umgekehrt darf ein reiner Pferdewetten-Anbieter wie RaceBets keine Wetten auf Fußball oder Tennis verkaufen, sofern er nicht auch eine Sportwetten-Konzession hält. Diese Trennung schützt das etablierte System der Totalisatoren an deutschen Rennbahnen, das seit dem 19. Jahrhundert Bestand hat und einen Teil der Wetteinsätze direkt in die Rennpreise einfließen lässt.
Ein aktueller Entwicklungsschritt: Der zweite Änderungsstaatsvertrag zum GlüStV (2. GlüÄndStV) wurde am 8. Juli 2025 bei der EU-Kommission notifiziert. Er soll nach Ratifizierung durch alle 16 Bundesländer in Kraft treten und bringt Anpassungen in mehreren Bereichen — unter anderem bei den Werberestriktionen und den Anforderungen an den Spielerschutz. Für Pferdewetten sind bislang keine grundlegenden Änderungen vorgesehen, aber die Detailregelungen können sich im Laufe des Gesetzgebungsprozesses noch verschieben.
Die regulatorische Landschaft ist damit klar: Pferdewetten sind in Deutschland legal, wenn der Anbieter eine gültige Erlaubnis der GGL besitzt. Alles andere ist entweder illegal oder bewegt sich in einer Grauzone, die für den Wetter ein erhebliches Risiko darstellt.
GGL-Whitelist: Wer darf Pferdewetten anbieten?
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) führt eine öffentlich einsehbare Liste aller Anbieter mit gültiger Erlaubnis — die sogenannte Whitelist. Diese Liste ist das zentrale Werkzeug für Spieler, um legale von illegalen Anbietern zu unterscheiden.
Im Bereich Pferdewetten ist die Whitelist übersichtlich. Die Zahl der Anbieter mit einer expliziten Pferdewetten-Erlaubnis ist deutlich kleiner als im Sportwetten-Segment. RaceBets hält eine GGL-Erlaubnis für Pferdewetten seit dem 26. August 2015 und gehört damit zu den etabliertesten Anbietern. Auch pferdewetten.de ist auf der Whitelist geführt. Daneben gibt es einige Sportwetten-Anbieter, die Pferderennen als Teil ihres allgemeinen Wettangebots aufnehmen — hier gelten die Sportwetten-Konzessionsbedingungen.
Die Whitelist wird regelmäßig aktualisiert. Anbieter können ihren Status verlieren, wenn sie gegen Auflagen verstoßen, und neue Anbieter kommen hinzu, sobald ihr Erlaubnisverfahren abgeschlossen ist. Für Wetter empfiehlt es sich, vor der Registrierung bei einem neuen Anbieter einen aktuellen Blick auf die Liste zu werfen — sie ist frei zugänglich auf der Website der GGL.
Ein häufiges Missverständnis: Die Whitelist bedeutet nicht, dass der Anbieter „empfohlen“ wird. Sie bestätigt lediglich, dass er eine gültige Erlaubnis besitzt und den regulatorischen Anforderungen genügt — darunter Spielerschutzpflichten, Geldwäscheprävention und die Anbindung an OASIS und LUGAS. Ob sein Wettangebot, seine Quoten oder sein Kundenservice gut sind, sagt die Whitelist nicht aus. Sie ist ein Mindeststandard, kein Qualitätssiegel. Die eigentliche Bewertung eines Anbieters beginnt dort, wo die Whitelist aufhört.
BFH-Urteil 2024: Sportwettensteuer ist verfassungsgemäß
Ein Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 16. Juli 2024 (Aktenzeichen IX R 6/22) hat eine Frage geklärt, die den Wettmarkt jahrelang begleitet hatte: Ist die Sportwettensteuer — und damit auch die strukturgleiche Rennwettsteuer — verfassungsgemäß?
Der BFH bejahte dies eindeutig. Die Steuer verstoße weder gegen die Dienstleistungsfreiheit (Artikel 56 AEUV) noch gegen das Grundgesetz. Im konkreten Fall hatte ein Kläger argumentiert, die Besteuerung benachteilige ihn gegenüber Wettern in anderen EU-Ländern mit niedrigeren oder gar keinen Wettsteuern. Das Gericht wies dieses Argument zurück: Die steuerliche Souveränität der Mitgliedstaaten erlaube unterschiedliche Steuersätze, solange keine Diskriminierung vorliege.
Für Pferdewetten-Spieler hat das Urteil eine praktische Bedeutung: Die Steuer wird nicht verschwinden. Wer gehofft hatte, dass eine gerichtliche Entscheidung die 5,3 % kippen würde, muss diesen Posten dauerhaft in seine Kalkulation einbeziehen. Gleichzeitig schafft das Urteil Rechtssicherheit — sowohl für Anbieter als auch für Wetter. Es gibt keinen schwebenden Rechtsstreit mehr, der die Steuererhebung in Frage stellt.
Ein Nebenaspekt des Urteils betrifft die Frage, ob Wettgewinne als Einkommen versteuert werden müssen. Für Freizeitwetter lautet die Antwort: nein. Gewinne aus Glücksspielen sind in Deutschland einkommensteuerfrei, solange das Wetten nicht als gewerbliche Tätigkeit eingestuft wird. Die Rennwettsteuer ist eine Verkehrssteuer auf den Einsatz, keine Einkommensteuer auf den Gewinn. Diese Unterscheidung wird oft verwechselt, ist aber für Wetter, die ihre Gewinne nicht deklarieren wollen, ein wichtiger Punkt.
Risiken bei nicht-lizenzierten Anbietern
Wer bei einem Anbieter ohne GGL-Erlaubnis wettet, setzt sich mehreren Risiken aus, die über den möglichen Verlust des Einsatzes hinausgehen. Das offensichtlichste: Es gibt keine Garantie für die Auszahlung. Nicht-lizenzierte Anbieter unterliegen keiner deutschen Aufsicht, und im Streitfall steht der Spieler ohne Rechtsweg da. Kein deutsches Gericht wird ihm helfen, eine Forderung gegen einen Buchmacher auf Curaçao durchzusetzen.
Dazu kommt der fehlende Spielerschutz. Lizenzierte Anbieter sind verpflichtet, das OASIS-Sperrsystem einzubinden, Einzahlungslimits durchzusetzen und an das LUGAS-Überwachungssystem angebunden zu sein. All diese Mechanismen greifen bei nicht-lizenzierten Anbietern nicht. Wer dort spielt, hat kein Sicherheitsnetz — keine Selbstsperre, kein anbieterübergreifendes Einzahlungslimit, keine automatische Erkennung problematischen Spielverhaltens. Gerade bei Pferderennen, wo Live-Wetten während des Rennens möglich sind und die Zeitspanne zwischen Einsatz und Ergebnis nur wenige Minuten beträgt, kann das fehlende Sicherheitsnetz schnell zum Problem werden.
Ronald Benter, Vorstand der GGL, formulierte das Ziel der Behörde klar: Das Geschäftsmodell illegaler Anbieter soll durch ein umfassendes Maßnahmenpaket unattraktiv gemacht werden. Zu diesen Maßnahmen gehören unter anderem Payment-Blocking, bei dem Zahlungsdienstleister die Abwicklung von Transaktionen mit illegalen Anbietern verweigern, und die seit September 2024 durchgesetzte Google-Ads-Sperre, die nur lizenzierten Anbietern Werbung in Deutschland erlaubt.
Ein Risiko, das selten erwähnt wird: Steuerhinterziehung. Die Rennwettsteuer wird vom Anbieter abgeführt. Wettet ein Spieler bei einem nicht-lizenzierten Anbieter, der keine Steuern in Deutschland zahlt, könnte er theoretisch als Mittäter in eine steuerliche Grauzone geraten. Die Wahrscheinlichkeit einer individuellen Verfolgung ist gering, aber das rechtliche Risiko besteht.
Die Empfehlung ist eindeutig: Wetten bei lizenzierten Anbietern. Die Quoten mögen gelegentlich etwas niedriger sein als auf unregulierten Plattformen, aber dafür gibt es eine Auszahlungsgarantie, funktionierenden Spielerschutz und Rechtssicherheit. Im regulierten Markt zahlt der Spieler einen kleinen Preis für ein System, das ihn schützt — im unregulierten Markt zahlt er möglicherweise einen hohen Preis für die Illusion besserer Konditionen. Wer langfristig Pferdewetten als Hobby betreiben will, braucht eine verlässliche Infrastruktur. Und die gibt es nur auf der legalen Seite des Markts.